Finten lernen: Technik kindgerecht vermitteln
- Sven Liewert
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Warum Kinder Finten lieben – und trotzdem oft daran scheitern
Finten faszinieren Kinder. Sie sehen cool aus, bringen Gegner aus dem Konzept und geben ein Gefühl von Kontrolle über das Spiel. Doch im Training sind sie oft der Punkt, an dem es hakt. Die Bewegung wird zu hektisch, der Ball bleibt liegen – oder der Mut fehlt, sie im Spiel überhaupt auszuprobieren.
Was läuft schief? Ganz einfach: Finten werden oft zu früh, zu kompliziert oder zu mechanisch vermittelt. Dabei steckt in jeder Finte eine tolle Gelegenheit, Ballgefühl, Kreativität und Selbstvertrauen aufzubauen – wenn wir sie kindgerecht trainieren.
Was bedeutet „kindgerechtes Techniktraining“ bei Finten?
Finten sollen Spaß machen. Das bedeutet: Techniktraining muss nicht aussehen wie ein Drill bei den Profis. Viel wichtiger ist, dass die Kinder verstehen, wofür sie eine Finte brauchen – und dass sie sich trauen, sie zu benutzen.
Kindgerechtes Techniktraining bei Finten heißt:
Einfach starten: mit kleinen, klaren Bewegungen
Im Spielkontext üben: nicht nur isoliert, sondern mit Gegnerdruck
Mit Fehlern rechnen: und sie als Teil des Lernens begreifen
Motivation wecken: durch kreative Namen, kleine Challenges, Erfolgserlebnisse
Drei Stufen: So bringst du Kindern Finten nachhaltig bei
Sehen und Verstehen (Visuelle Einführung + Wortbild)
Kinder lernen stark über visuelle Reize. Zeig ihnen die Finte in Aktion – gern auch ein Video von Profis oder ein Mitspieler, der sie schon kann.
Nutze dazu ein passendes Wortbild, etwa:
„Tunneltor“ (Übersteiger = das Bein macht einen Bogen wie ein Tor)
„Zappelschlange“ (Körperfinte = der ganze Körper wackelt wie eine Schlange)
„Wegwischer“ (Sohlenzieher = als würde man etwas vom Boden wegwischen)
So entsteht ein Bild im Kopf, das die Bewegung ankert.
Fühlen und Wiederholen (Technik isoliert üben)
Erst ohne Gegner, dann mit Gegenspielern. Die Bewegung muss ins Körpergedächtnis – und das braucht Wiederholungen. Aber nicht 50-mal im Kreis, sondern mit kleinen
Variationen:
Finte + Richtungswechsel
Finte + Torschuss
Finte + Pass zum Mitspieler
Wichtig: Sprich die Coaching-Worte kindgerecht, z. B. „groß machen – klein machen“ bei einer Körperfinte.
Anwenden und Verankern (Spielnahe Spielformen)
Jetzt wird’s mutig: Die Kinder sollen die Finte im Spiel ausprobieren. Etwa in 1-gegen-1-Situationen mit engem Raum oder in Funino-Spielen mit Bonuspunkten für getäuschte Gegner.
Ein Beispiel:
Challenge: Wer schafft eine gelungene Finte vor dem Torschuss?
Belohnung: Extra-Tor zählt doppelt oder symbolische Medaille (z. B. Hütchen mitnehmen)
So entsteht Mut, Kreativität – und Spielintelligenz.
Welche Finten eignen sich für welches Alter?
Nicht jede Finte ist für jedes Alter geeignet. Die Auswahl sollte sich an den koordinativen Fähigkeiten orientieren:
Alter | Geeignete Finten |
6–8 | Ballrolle, Sohlenzieher, Haken, Körperfinte |
9–10 | Übersteiger, Zidane-Rolle, Außendrehung |
11+ | Doppelte Übersteiger, Schere, Ronaldo-Chop |
💡 Tipp: Bleib 2–4 Wochen bei einer Finte. Das stärkt Automatisierung und Selbstvertrauen.
Fehler vermeiden: Was Finten-Training oft bremst
🚫 Zu viel Input: Drei Finten auf einmal sind zu viel. Eine reicht.
🚫 Fehlende Anwendung: Nur Standtechnik bringt nichts.
🚫 Strafendes Feedback: Fehler müssen sein – sonst lernt niemand Neues.
🚫 Keine Vorbilder: Kinder brauchen „Held*innen“, die die Finte vormachen.
🚫 Fokus auf Perfektion statt Mut: Der Versuch zählt mehr als die saubere Ausführung.
Fazit: Finten sind kein Selbstzweck – sondern ein Werkzeug für Spielwitz
Kinder müssen nicht dribbeln wie Neymar. Aber sie sollten wissen, wie man sich einen Gegner vom Hals hält – und wie gut es sich anfühlt, eine Bewegung zu beherrschen.
Mein Appell an dich als Trainer*in: Wähle einfache Finten, baue sie spielerisch ins Training ein – und lobe den Mut, sie auszuprobieren. Denn genau dort beginnt das, was wir spielerische Entwicklung nennen.
Weiterlesen & Umsetzen
In meinem Newsletter dieser Woche gebe ich dir eine tolle Finten-Übung an die Hand. Bleib dran und schau vorbei!

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